Gesellschaft | Corona-Pandemie

Aufarbeitung wirft noch immer Fragen auf

Jürgen Wirth Anderlan kritisiert ein Schreiben des Sanitätsbetriebs: Die Anweisung bei Todesfällen mit Grippesymptom war eine Vorsichtsmaßnahme, erklärt nun Landesrat Hubert Messner.
Arzt, Coronavirus
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  • Der Vorwurf ist hoch gegriffen, was bei einem Landtagsabgeordneten wie Jürgen Wirth Anderlan wenig überrascht. „Erstmals liegt in Europa, konkret in Südtirol, ein Beweis für die systematische Manipulation der Corona-Todeszahlen vor“, erklärt Anderlan in einer Pressemitteilung. Der Oppositionspolitiker weist auf ein Rundschreiben des Sanitätsbetriebs im März 2020 hin, das kurz nach Ausbruch der Pandemie in Italien an die Spitze der Sanitätseinheit, an die Landesnotrufzentrale und an ärztliches Personal verschickt worden sein soll. 

  • Jürgen Wirth Anderlan: „Das bestätigt: Diese Pandemie war eine Test- und Papierpandemie.“ Foto: SALTO/Andy Odierno
  • In dem Rundschreiben in italienischer Sprache vom 22. März 2020 sollen, so Anderlan, zwei Ärztinnen im Namen des Sanitätsbetriebs Hausärzte auffordern, zuhause verstorbene Personen mit Grippe- und Bronchialerkrankung als Covid-19-Infektionsfälle einzustufen. 

    Auf Anfrage hat Gesundheitslandesrat Hubert Messner dieses Dokument Anderlan ausgehändigt. Dieser wirft Politik und Verwaltung vor, dass ärztliches Personal angewiesen worden sei, medizinische Diagnosen zu verfälschen. Messner stellt nun in einer Presseaussendung klar, dass die Mitteilung als Vorsichtsmaßnahme diente. „Im März 2020 herrschte eine unklare Lage, daher wurden vorsichtshalber alle Infektionen mit strengeren hygienischen Auflagen verbunden, um eine mögliche Ansteckung zu verhindern. Die Covid-19-Sterbestatistik hat mit diesem Schreiben nichts zu tun und wurde zu keinem Zeitpunkt manipuliert“, so der Landesrat.

  • Corona-U-Ausschuss

    Das Rundschreiben soll nicht nur auf europäischer Ebene, sondern auch im Corona-Untersuchungsausschuss des Südtiroler Landtags behandelt werden. Ausschuss-Vorsitzende Brigitte Foppa (Grüne) erklärt, dass sowohl die Verfasserinnen des Dokuments als auch der ehemalige Gesundheitslandesrat Thomas Widmann auf der Liste der Anzuhörenden im Landtag stehen. 

    Die nächste Anhörung im Untersuchungsausschuss findet heute statt. Die Genannten werden allerdings erst bei einer weiteren Sitzung Rede und Antwort stehen. 

  • Update: Der Artikel wurde am 21. Jänner 2026 um 13:35 Uhr aktualisiert.