Das Phantom der Remigration
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In Südtirol und europaweit wird zum Begriff Remigration kontrovers debattiert. Politikwissenschaftlerin Verena Wisthaler, der ehemalige Senator Oskar Peterlini und der Historiker Lorenzo Vianini nehmen die aufgeladene Diskussion rund um die genehmigte Kundgebung vor dem Siegesdenkmal in Bozen und die als demokratische Antwort organisierte Gegendemo zum Anlass, um über die politische und wissenschaftliche Einordung des Begriffs zu sprechen, und auch darüber wie Medien, Bildung, politische Vertreterinnen und Vertreter das Thema abhandeln - und was das über das Demokratieverständnis im Land aussagt.
Also der Faschismus ist in Italien ja verboten...
[Oskar Peterlini]
Ist Faschismus eine Meinung? Nein! Warum aber wird dann unter seinem Vorzeichen überhaupt eine Veranstaltung in Bozen angestrengt? Wie verhalten sich die deutschen und italienischen Rechtsparteien in der Diskussion? Weshalb ist gerade jetzt Antifaschismus dringlicher denn je? -
Wissenschaftlich sei der Begriff Remigration nicht klar definiert, sondern stark ideologisch aufgeladen, meint Verena Wisthaler. Während rechte Parteien ihn als freiwillige oder assistierte Rückkehr straffällig gewordener Nicht-Staatsbürger darstellen, gehe der aktuelle politische Diskurs deutlich weiter. Gesetzesinitiativen in Italien sähen Maßnahmen vor, die über individuelle Abschiebungen hinausgehen.
Das Ziel dieser Bewegungen ist eine Gesellschaft, die nicht von ethnischer Vielfalt geprägt ist...
[Verena Wisthaler]
Der Begriff Remigration hat seine Wurzeln in den rechtsextremen Bewegungen Frankreichs und Großbritanniens. Die Identitäre Bewegung hat ihn im deutschsprachigen Raum popularisiert. In Italien ist er erst später in den politischen Sprachgebrauch eingegangen. -
Der Historiker Lorenzo Vianini warnt, dass solche Konzepte angesichts der Geschichte Südtirols – mit Zwangsumsiedlungen, Option und gezielter Bevölkerungsverschiebung – besonders sensibel seien. Außerdem sieht Vianini durchaus ideologische Schnittmengen zwischen italienisch- und deutschsprachigen Rechtsparteien. Migration diene für sie als gemeinsames Feindbild, auch wenn sich einzelne Exponenten nach außen hin parteipolitisch voneinander distanzieren.
Martin Sellner trifft sich mit Matteo Salvini...
[Lorenzo Vianini]
Der ehemalige Senator und Hochschullehrende Oskar Peterlini kritisiert den politischen Tiefstand der Debatte, fragt aber auch nach Ursachen. Europa habe auf Migration oft verspätet oder unkoordiniert reagiert, sagt er und er nennt als zentrale Gründe globale Ungleichheit und fehlende wirtschaftliche Perspektiven in Herkunftsländern, insbesondere in Afrika. Ein weiterer Faktor sei in seinen Augen das mangelnde Sicherheitsgefühl. -
Peterlini erinnert in Bezug auf die Kundgebung von CasaPound auch daran, dass der Faschismus in Italien zwar verboten sei, dessen Symbole und Gesten jedoch oft toleriert würden. Er kritisiert die politische Aufwertung postfaschistischer Parteien durch Regierungsbeteiligungen.
Abschließend wird auch der Einfluss sozialer Medien und mangelnde politische Bildung an den Schulen angesprochen. Zudem befeuern Falschinformationen Ängste.
Klicken Sie – ganz ohne Angst – auf Play und hören Sie sich die (zweisprachige) Podcast-Debatte an. -
Es diskutieren in der Streitergasse:
Verena Wisthaler, Politikwissenschaftlerin und Forscherin an der Eurac
Oskar Peterlini, langjähriger Senator, Autor und Hochschullehrer
Lorenzo Vianini, Historiker
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Es wird über alles…
Es wird über alles diskutiert, außer über die Gesetzesinitiative, die eigentlich Gegenstand der Kundgebung ist. Anstatt ständig über irrelevante Themen wie die Herkunft des Wortes „Remigration“ oder darüber, ob es faschistisch ist oder nicht, zu debattieren, wäre es sinnvoller, eine Diskussion über die Gesetzesinitiative selbst zu führen.
Welche Teile sind gut, welche sind problematisch? Sind vielleicht alle Teile schlecht? Gibt es Gegenvorschläge, um das Problem anzugehen? Ist es überhaupt ein Problem?
Natürlich erfordert dies intellektuelle Ehrlichkeit und es ist einfacher, die Sache pauschal als faschistisch zu bezeichnen, um einer echten Diskussion zu entgehen. Damit manipuliert man jedoch die Menschen, denn alle Südtiroler wissen inzwischen, dass die Gesetzesinitiative „faschistisch“ ist, aber kaum jemand weiß warum, da sie nicht wissen was drinnen steht und den Text nicht gelesen haben. Und genau ist vielleicht das Ziel, denn wenn Menschen den Entwurf lesen würden, könnten sie zustimmen und das darf keinesfalls riskiert werden.
Antwort auf Es wird über alles… von Gabri
Dachte genau das Selbe!…
Dachte genau das Selbe! Viele schöne aber irrilevante Wörter... die Bürger wollen konkrete Vorschläge/Lösungen für konkrete Probleme! Mich wundert nicht, dass die extreme Rechte immer mehr Wählerstimmen bekommt.
Antwort auf Dachte genau das Selbe!… von Christian I
Zitat: „Viele schöne aber…
Zitat: „Viele schöne aber irrilevante Wörter... die Bürger wollen konkrete Vorschläge/Lösungen für konkrete Probleme!“:
die da wären: „remigrazione e riconquista“.
Was für ein bonmot!
Antwort auf Dachte genau das Selbe!… von Christian I
Die Schweiz zum Beispiel…
Die Schweiz zum Beispiel betrachtet das Problem aus der Perspektive der Bevölkerungsgröße.
Die Debatte dort dreht sichum die Frage, ob die künftige Zuwanderung streng reduziert werden soll, um die Einwohnerzahl von 10 Millionen nicht zu erreichen. (momentan sind es circa 9,5 Millionen)
Das Referendum(!) findet im Juni statt.
Es geht auch ohne „Theater“, wenn man will....
Antwort auf Es wird über alles… von Gabri
Sehr richtig. Man erschöpft…
Sehr richtig. Man erschöpft sich in irgendwelchen intelektuellen Debatten ohne über das eigentliche Problem zu sprechen. Damit erweckt man den Eindruck von Abgehobenheit und Realitätsferne.
Antwort auf Es wird über alles… von Gabri
Na dann, her mit diesem…
Na dann, her mit diesem Entwurf, damit ihn alle lesen können.
Antwort auf Na dann, her mit diesem… von Manfred Gasser
Den Entwurf muss die Politik…
Den Entwurf muss die Politik bringen, inklusive hochbezahlter Ressortleiter, Amtsdirektoren usw. Deren Job ist es Lösungen für Probleme zu finden und umzusetzen. Wir Bürger geben dann unsere Bewertung an der Wahlurne ab.
Antwort auf Den Entwurf muss die Politik… von Cicero
Den gibt es doch schon, oder…
Den gibt es doch schon, oder schreibt hier jemand bullshit?
„Und genau ist vielleicht das Ziel, denn wenn Menschen den Entwurf lesen würden, könnten sie zustimmen und das darf keinesfalls riskiert werden.“
Also her damit, damit die Menschen lesen und zustimmen „könnten“.
Antwort auf Es wird über alles… von Gabri
Jene Teile des…
Jene Teile des Gesetzesvorschlags, die „gut“ erscheinen, sind schon gesetzlich geregelt, dazu braucht es keine Initiative von Casapound und den Skinheads. Die Einbringer des Gesetzesvorschlags benutzen diese - bereits geregelten und eigentlich logischen - Aspekte nur als Trittbrett für das eigentlich problematische Ansinnen, das sich gut mit „willkürliche Deportation“ umschreiben lässt. Es handelt sich also um eine Mogelpackung. Was es braucht ist ein echtes Interesse die mit Migration zusammenhängenden Probleme zu lösen. Das beginnt schon mit einem kleinen unproblematischen Schritt, nämlich damit, dass die rechte Regierung bspw. das bescheuerte Salvini-Dekret aufhebt und den Verbleib der Asylanten in den Hotspots wieder verlängert. 30 Tage sind einfach zu wenig, um deren Status zu prüfen. Warum wohl hat die Regierung das bisher nicht getan und lässt zu, dass viele auf der Straße und dann im Untergrund landen?
Die Diskussion über die Migration ist im Grunde deshalb so aufgeladen und daher rational nicht mehr zu führen, weil rechte bis rechtsextreme Parteien und Gruppierungen das Thema schon vor Jahren gekapert haben und sich die Naivität weiter Bevölkerungsteile und deren Sensibilität für Slogans zu Nutze machen.
Es steht übrigens jedem frei den Text zu lesen und sich ein Bild davon zu machen.
Antwort auf Jene Teile des… von Manfred Klotz
Mit der Aufhebung des…
Mit der Aufhebung des Salvini Dekrets ist es nicht getan, da es in anderen EU Staaten nicht anders abläuft und das ganze ein EU weites Problem darstellt.
Die gesamte Migrationspolitik ist vom Kopf auf die Füße zu stellen, wobei die regierenden Parteien da nichts gemacht bzw. die Dinge schleifen ließen und jetzt denen die das Thema „gekapert“ haben dies zum Vorwurf machen wollen. So läuft's halt auch nicht.
Der wichtigste Punkt wäre dass die Anträge der Asylsuchenden durchgeführt werden BEVOR sie europäischen Boden betreten, dass dafür Zentren geschaffen werden müssen und dass Verfahren grundsätzlich nur dort stattfinden können, wer also ein Asylverfahren wünscht sich dort hinzubegeben hat. Andere die unberechtigt ohne Asylbegehren einreisen sind sofort zurückzuweisen.
Das mag unrealistisch erscheinen, konsequent durchgeführt wird dann aber schnell die Spreu vom Weizen getrennt und die Anträge verringern sich von selbst, wenn das Asylgesuch nicht mehr als Sprungbrett für eine wie immer geartete Einwanderung dienen kann (was der springende Punkt ist) denn bevor den Schleppern nicht die Geschäftsgrundlage entzogen wird, wird man die unmenschlichen Praktiken nicht unterbinden können.
Wobei es doch wohl die „etablierten“ Parteien sind die dem Ausufern des Problems ( dem man angeblich jetzt nicht mehr Herr wird) zugeschaut und dem über JAHRE nichts entgegengesetzt haben , aber jetzt mit dem Finger auf die Rechtsparteien zeigen und diese und deren Wähler noch verunglimpfen ( rechtsextrem?).
Antwort auf Es wird über alles… von Gabri
Na dann los: eine…
Na dann los: eine Gesetzesinitiative mit dem Titel „Remigrazione e riconquista“, ins Leben gerufen von bekennenden Faschisten, ist nicht mit der italienischen Verfassung vereinbar. Damit ist die Diskussion über den Inhalt der Initiative beendet.