Die Schnapsbrenner aus Mölten

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Nun versucht es David Frank selbst: Der 33-Jährige aus Matsch arbeitet seit mehreren Jahren für die IDM in der Agrarabteilung als Koordinator für regionale Qualitätsprodukte. Nun bringt er selbst ein Produkt auf den Markt. Gemeinsam mit der Brennerei Schwarz in Mölten wird ein Amaro aus Marillen produziert, die ersten 400 Flaschen sind bereits verkauft.
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Frank ist in Südtirol kein Unbekannter. Der Agronom kandidierte für die Junge Generation der Südtiroler Volkspartei (SVP) im Jahr 2023 und spielt auf der Steirischen Harmonika in einem Ensemble. Als der Einzug in den Landtag nicht klappte, entschied sich Frank den Schritt zu wagen und führte mit mehreren Brennereien Gespräche für eine mögliche Kooperation. Seine Rezeptidee überzeugte schließlich Manuel (31) und Christian (33) Schwarz – die beiden Brüder stellen in Mölten seit 2014 Hochprozentiges her.
Sie starteten mit einer Kleinstproduktion von 200 Flaschen im Jahr und produzieren heute bis zu 15.000 Stück. Die Philosophie dahinter sei dieselbe geblieben: eine hohe Qualität der Zutaten und Mut für Innovation und Kreativität. Ob Wermut, Liköre oder Destillate – mit Rohstoffen aus Südtirol wie Williams Birnen, Gravensteiner Äpfel, Vinschger Marillen, Quitten und Vogelbeeren werden in einer 250 Quadratmeter großen Produktionshalle 18 verschiedene Schnäpse hergestellt. Seit drei Jahren sind sie mit der Brennerei im Vollerwerb und haben ihre Arbeit beim Weißen Kreuz und als Weinvertreter aufgegeben.
„Beim Brennen braucht es Geduld und Feingefühl.“
Nun stehen sie während der Brennsaison von Juli bis November in der Produktionshalle und füllen die Maische in große Kessel, prüfen Alkoholgehalt und Geschmack. Zwölf-Stunden-Schichten sind während der Erntezeit an der Tagesordnung. Am Ende entscheidet ihr Gaumen, wie viel Liter des destillierten Alkohols zu Schnaps verarbeitet wird und was als Abfall in den Abguss kommt. Die Kostprobe des hochprozentigen Alkohols wird in der Branche in der Regel ausgespuckt, um Trunkenheit am Arbeitsplatz zu vermeiden. Nach der Qualitätskontrolle wird das Destillat mit Wasser verdünnt und abgefüllt. „Beim Brennen braucht es Geduld und Feingefühl“, erklärt Christian Schwarz, der für die technischen Fragen zuständig ist.
Sein Bruder ist als Sommelier für die Vermarktung und die Zusammenarbeit mit den Lieferanten verantwortlich. „Wir kennen das Schnapsbrennen aus Erzählungen unserer Familie und wollen diese Südtiroler Tradition fortführen. Bei den Zutaten wie beispielsweise Quitten oder Vogelbeeren war es zu Beginn sehr schwierig, überhaupt Lieferanten zu finden. Heute bekommen wir unsere Rohstoffe aus einem Umkreis von maximal 30 Kilometern Entfernung“, sagt Manuel Schwarz.
„Wir haben vor der Haustür eine große Vielfalt mit unterschiedlichen Rohstoffen.“
Pur, als Cocktail oder mit Eiswürfel – Liköre und Destillate seien als Genussmittel weiterhin gefragt, obwohl der Alkoholkonsum beispielsweise in Deutschland seit Jahren rückläufig ist. „Vor allem der jüngeren Generation sind die Gefahren von Alkohol für die eigene Gesundheit und Sicherheit stärker bewusst, etwa beim Autofahren“, erklärt Manuel Schwarz. Das aber sei keine Gefährdung des Geschäfts.
Auch David Frank sieht die rückläufigen Zahlen beim Alkoholkonsum gelassen. „Die Menge macht das Gift. Es ist ähnlich wie beim Verzehr von Fleisch besser, weniger zu konsumieren und dann aber auf Qualität zu achten.“ Der Vinschger Jungunternehmer war sich lange nicht sicher, welches neue Südtiroler Produkt die besten Erfolgschancen haben könnte – auch Kräuter oder Kaminwurzen standen in der engeren Auswahl. Entschieden hat er sich dann aber doch für ein alkoholisches Getränk.
Ein Amaro aus MarillenNach einer zweijährigen Entwicklungsphase ist der Amaro Amarill seit Anfang Juni auf dem Markt. Die Marillen vom Verband der Obst- und Gemüseproduzenten (VIP) werden zuerst zerstampft und anschließend in der Brennerei zu Likör verarbeitet. Die Bergmarille ist im Vergleich zur Vinschger Marille resistenter bei Unwettern, außerdem überzeuge der süß-saure Geschmack. Verfeinert wurde die Rezeptur mit Kräutern wie Wermut, Schafgarbe, Goldmelisse oder Meisterwurz.
Während der Entwicklungsphase hat er die Rezeptur weiter verbessert und Freunden zum Verkosten angeboten. Nun klopft er bei verschiedenen Gastbetrieben und Einzelhändlern an und stellt den Amaro Amarill im Flaschendesign von Franziska Heiss vor. Hauptsächlich arbeitet er aber noch bei der IDM und nutzt die freie Zeit für das eigene Projekt.
Im Gegensatz zu anderen ist Frank nach seinem Studium an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien wieder zurückgekehrt. Hier will er mitgestalten und mitreden. „Wir haben vor der Haustür eine große Vielfalt mit unterschiedlichen Rohstoffen. Bei regionaler Wertschöpfung und Direktvermarktung hat Südtirol deshalb noch viel Potential, vor allem in der Gastronomie. Die Regionalität ihrer Produkte sollte von den Betrieben noch stärker kommuniziert werden“, erklärt der IDM-Koordinator. Denn Südtirol sei nicht nur Urlaubsziel, sondern stehe auch für die Herkunft hochwertiger Produkte aus Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungssektor.
„Die Dachmarke der IDM war ursprünglich für den Tourismus gedacht, jetzt wird sie zu einer Regionalmarke entwickelt“, meint Frank. Dafür wird es allerdings mehr als nur eine Marketingstrategie brauchen.
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