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„Wollte immer so gut sein wie er“

Markus Lauridsen vom HC Falkensteiner Pustertal ist einer von sieben „Wölfen“ bei den Olympischen Winterspielen in Mailand. Wer seine großen Vorbilder sind - und wie heimisch er sich im Pustertal fühlt.
Markus Lauridsen vom HC Falkensteiner Pustertal.
Foto: Iwan Foppa/HC Falkensteiner Pustertal
  • SALTO: Herr Lauridsen, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur erneuten Nominierung für den dänischen Olympia-Kader. Diesmal finden die Spiele quasi direkt vor Ihrer Haustür statt. Man könnte fast von „Heim-Spielen“ sprechen. Wie aufregend und besonders macht es das für Sie?

    Markus Lauridsen: Das wird mit Sicherheit etwas ganz Besonderes. Es ist eine relativ kurze Fahrt nach Mailand. Also ja, man kann es wohl als „Heimspiele“ bezeichnen. Ich freue mich einfach riesig darauf, dort zu sein, die Jungs zu sehen und alles aufzusaugen.

  • Zur Person

    Ende Februar feiert Markus Lauridsen seinen 35. Geburtstag. Genug hat er jedoch noch nicht. Egal ob im Dress der Wölfe oder jenem der dänischen Herrelandsholdet. Jetzt schickt sich der Verteidiger des HC Pustertal an, auch die olympischen Spiele in Mailand aufzumischen. Der Däne ist, neben den Angreifern Tommy Purdeller, Mikael Frycklund, Nick Saracino sowie den Hintermännern Daniel Glira, Luca Zanatta und Greg DiTomaso, einer von sieben schwarzgelben Olympia-Fahrern. 

  • In Peking 2022 wurden Sie zum allerersten olympischen Torschützen in der Geschichte des dänischen Eishockeys. Später im Turnier gelang Ihnen  gegen Lettland sogar das entscheidende Tor zum Einzug ins Viertelfinale. Können die Winterspiele 2026 das für Sie überhaupt noch toppen? 

    Sicherlich sind das zwei schöne persönliche Erinnerungen. Aber als Team wollen wir einfach gut abschneiden. Wir möchten an unsere Ergebnisse der Weltmeisterschaft anknüpfen und diese Energie mit in das olympische Turnier nehmen. Inzwischen sind alle Teams mit NHL-Spielern besetzt, und wir haben auch einige in unserem Kader. Es wird eine große Herausforderung, aber es wird Spaß machen. 

     

    „Es wird einfach toll, gegen sie alle anzutreten.“

  • Wo wir gerade von NHL-Stars sprechen. Ihr spielt unter anderem gegen US-Star Auston Matthews, Deutschlands Top-Goalgetter Leon Draisaitl oder Winnipegs Connor Hellebuyck, der als einer der besten Goalies der Welt gilt. Um nur ein paar zu nennen. Auf welche Spieler freuen Sie sich in den nächsten Wochen am meisten als Gegner?

    Auf alle, oder? Wenn man sich die Kader der Teams ansieht, sind da nur gute Spieler. Es ist schwer, einen herauszupicken. Da ist ein Draisaitl bei Deutschland, und beim US-Kader wüsste ich gar nicht, wen ich zuerst nennen sollte. Selbst unser Team hat einen Haufen guter Leute (darunter Lars Eller, 1155 NHL-Spiele für Washington, Pittsburgh, Montreal und weitere Franchises, oder Nikolaj Ehlers, mehr als 700 Spiele für Winnipeg und Carolina, Anm. d. R.). Es wird einfach toll, gegen sie alle anzutreten.

    Dänemark trifft zuerst auf Deutschland, dann auf die USA und muss schließlich gegen Lettland ran. Angesichts der aktuellen politischen Diskussionen um Grönland: Wird Team Dänemark eine Extra-Motivation haben, um die USA zu schlagen?

    Ich möchte die Politik nicht wirklich mit Sport vermischen; das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Wir konzentrieren uns darauf, gegen wen wir spielen – egal ob USA, Deutschland oder Lettland. Wir fokussieren uns auf die sportliche Seite und überlassen die Politik den Politikern, um ehrlich zu sein.

    Du teilst die Kabine beim HCP zudem mit einigen US-Boys.

    Ja, genau. Wir wollen einfach zusammenkommen und Eishockey spielen. Auf alles andere haben wir ohnehin keinen Einfluss. Wir sind dort, um Dänemark im Eishockey zu repräsentieren, nicht in der Politik.

  • Matchwinner 2022

    Wir schreiben das Jahr 2022. Es sind noch keine sieben Minuten gespielt beim Eishockey-Debüt der Dänen bei Olympischen Winterspielen gegen die Eishockeynation Tschechien. Matej Stransky, punktestarker Flügel im Dienste des HC Davos, nimmt auf rechts Fahrt auf, lässt erst einen, dann den nächsten Dänen hinter sich. Dann endet der Angriffslauf des Tschechen abrupt an der Bande im Offensivdrittel. Markus Lauridsen stoppt Stransky mit einem Hüftcheck aus dem Lehrbuch. Die Nummer 22 Dänemarks macht erstmals beim Großereignis auf sich aufmerksam - und dabei bleibt es nicht.

    Noch im ersten Drittel setzt Lauridsen, damals noch bei den Malmö Redhawks in der schwedischen Liga unter Vertrag, auch offensiv Akzente. Falsch, er setzt den Akzent. Noch Acht Minuten und 40 Sekunden sind auf der Uhr, als der dänische Abwehrrecke sich ein Herz fasst und den Puck aufs Tor von KHL-Goalie Simon Hrubec bringt. Von einem tschechischen Schläger unhaltbar abgelenkt, findet das Spielgerät den Weg ins Tor und versetzt die Dänen in Ekstase. Am Ende siegen die Olympia-Newcomer aus dem Norden mit 2:1. Im entscheidenden Quali-Spiel zur KO-Phase ist es abermals Lauridsen, der gegen Lettland mit dem Siegtor zum 3:2 zum Matchwinner avanciert. Die Reise endet für den Underdog erst im Viertelfinale gegen den späteren Silbermedaillengewinner Russland.

  • Kommen wir zurück zum Sport. Austin Osmanski meinte im Gespräch mit SALTO, dass Sie innerhalb des Wölfe-Teams eine wichtige Stütze für ihn seien – jemand, zu dem er wegen des Spielstils und der Führungsqualitäten aufschaut. Zu wem schauen Sie auf? 

    Da ich mit einem älteren Bruder aufgewachsen bin, der auch Eishockey spielt und mit dem ich viel in der Nationalmannschaft zusammen auf dem Eis stand, wird er immer jemand sein, zu dem ich aufsehe. Ich wollte immer so gut sein wie er und in seine Fußstapfen treten. Er hat mir von Anfang an geholfen zu verstehen, was es heißt, ein Profi zu sein und dass es harte Arbeit braucht, um erfolgreich zu sein. Dann natürlich meine Eltern, auf eine andere Art und Weise, aber ohne ihre Unterstützung wären weder mein Bruder noch ich in dieser Position. 

  • Mikael Frycklund, Matthias Mantinger, Markus Lauridsen, Austin Rueschhoff und Greg DiTomaso.: Neben Markus Lauridsen fahren unter anderen auch Mikael Frycklund (l.) und Greg DiTomaso zu den Olympischen Spielen. Foto: Iwan Foppa/HC Falkensteiner Pustertal
  • Haben Sie, abgesehen von ihrem Bruder Oliver, ein Vorbild im Eishockeysport? 

    Früher war Nicklas Lidström ein großes Vorbild. Aber jetzt, wo ich selbst zu den Älteren gehöre, ist es schwieriger aufzuschauen, da die Idole von damals alle schon im Ruhestand sind. 

    Oliver Lauridsen wird auch bei Olympia wieder mit Ihnen im Verteidigungs-Lineup stehen, gemeinsam habt ihr als Brüder gar einige Schlachten für Dänemark auf dem Eis geschlagen. Ist es für Sie mittlerweile zur Routine geworden? 

    Nein, es bleibt immer etwas Besonderes. Auch wenn man während des Spiels nicht wirklich darüber nachdenkt, wer die Mitspieler sind, man konzentriert sich einfach auf das Spiel. Aber in der Nationalmannschaft merkt man mit zunehmendem Alter erst, wie speziell das eigentlich ist. Wir sind dort auch immer Zimmergenossen. Da wir normalerweise an verschiedenen Orten leben, ist es eine besondere Zeit und eine Gelegenheit, zusammenzukommen. Wir wissen, dass es eines Tages enden wird, und wir werden darauf zurückblicken und es dann wahrscheinlich noch mehr zu schätzen wissen.

  • Markus Lauridsen vom HCP: Markus Lauridsen (34) ist ein kompromissloser Hintermann, setzt aber auch offensiv Akzente. Foto: Iwan Foppa/HC Falkensteiner Pustertal
  • „Ich möchte ein Spieler sein, auf den man sich sowohl auf dem Eis als auch abseits davon verlassen kann“, wurden Sie bei Ihrer Ankunft in Bruneck letzten Sommer zitiert. Bisher haben Sie in allen 40 Saisonspielen auf dem Eis gestanden. Wie viele werden es noch?

    Ich plane von Jahr zu Jahr. Ich liebe es zu spielen und glaube immer noch, dass ich das Niveau habe, um mitzuhalten. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Was diese Saison angeht, denke ich, dass wir das Zeug dazu haben, ganz weit zu kommen. Wir sind darauf ausgelegt, ein schnelles Eishockey im Playoff-Stil zu spielen. Wir wollen unseren Platz unter den Top Sechs festigen und versuchen, uns den Heimvorteil für die Playoffs zu sichern. Sobald die Playoffs starten, ist es sowieso ein ganz anderes Spiel.

    Um uns beim olympischen Motto zu bedienen: Es geht jetzt also um mehr als nur dabei zu sein für die Wölfe?

    Genau, aber es ist eine harte Saison. Wir haben die Olympischen Spiele, bei der einige Teamkollegen und ich abbestellt sind und von denen wir hoffentlich unversehrt zurückkommen. Dann sind nur wenige Spiele übrig, bis die Playoffs starten. Hoffentlich sind dann alle entschlossen, so weit wie möglich zu gehen. 

  • Wir haben gute Charaktere in der Umkleidekabine, eine gute Mischung. Wir haben einige Veteranen und einen jüngeren Kern, die bereit sind, den nächsten Schritt zu machen. Und gutes Torwartspiel hilft natürlich auch. 

  • Markus Lauridsen jubelt nach einem Treffer.: Möchte gemeinsam mit Alex Ierullo in dieser ICE-Hockey-League-Saison noch weit kommen: Abwehrchef Markus Lauridsen. Foto: Iwan Foppa/HC Falkensteiner Pustertal
  • Aus den nordischen Ländern stammt bekanntlich der Begriff „Hygge“, was so viel wie Gemütlichkeit bedeutet, oder mit Menschen zusammen zu sein, bei denen man sich wohl und zu Hause fühlt. Jetzt, nach gut einem halben Jahr in Bruneck: Wie „hyggelig“ fühlen Sie sich hier?

    Ich liebe es. Meine Familie und ich fühlen uns hier wirklich wohl. Die Stadt, die umliegenden Orte, wir haben versucht, so viel wie möglich zu sehen. Die Leute hier sind sehr freundlich und hilfsbereit. Meine älteste Tochter geht hier zur Schule und auch ihr gefällt es sehr. Es war eine tolle Entscheidung für uns.

    Sie würden also auch das kommende Jahr gerne im Pustertal bleiben? 

    Auf jeden Fall. Es liegt natürlich nicht nur an mir, aber ich genieße meine Zeit hier sehr. Wenn möglich, würde ich den Weg gerne weitergehen und helfen, unseren Eishockeyclub hier weiterzuentwickeln. Ich denke, das Potenzial ist da, und wir bauen dieses Jahr etwas auf. Hoffentlich schaffen wir es bis zum Ende, aber wenn nicht, würde ich mich freuen, Teil der weiteren Reise zu sein.

  • Dänemark bei der Eishockey-WM 2025

    Neben Olympia 2022 konnten die Nordmänner auch bei der letzten Weltmeisterschaft zuhause in Dänemark und Schweden Achtungserfolge feiern. Nach der Gruppenphase - im alles entscheidenden Spiel besiegte man Deutschland im Penalty-Schießen - traf Dänemark als Viertplatzierter auf den Sieger der Gruppe A: Kanada. Dank eines 2:1-Erfolgs gegen den Turnierfavoriten ging es für die Dänen bis ins Halbfinale. Markus Lauridsen steuerte einen Punkt bei. Im Semifinale war gegen die Schweiz Endstation (7:0). Am Ende wurde es aber der sehr gute vierte Platz im Klassement. 

    Foto: Matt Zambonin/IIHF