Bewusstsein stärken
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„Auch zum Alkohol, der bis vor wenigen Jahren in geringen Mengen sogar als gesund dargestellt wurde, wissen wir heute“, so Referent Michael Kob vom Dienst für Diätetik und klinische Ernährung am Krankenhaus Bozen, „dass es keine minimale Menge gibt, die ohne Risiko ist.“ Alkohol stellt somit ein relevantes Krebsrisiko dar: Bereits sein Konsum erhöht – abhängig von der konsumierten Menge – das Risiko für mindestens sieben Krebsarten, darunter Brust-, Leber-, Speiseröhren- und Dickdarmkrebs.
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Kein Alkohol ist auch keine Lösung?: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Ernährung, Alkohol und Übergewicht für 20–30 % aller Krebsfälle verantwortlich sind. Foto: SeehauserfotoUnter dem erweiterten Motto ,,Gemeinsam einzigartig: Prävention, Individualisierung, Hoffnung„ steht am Weltkrebstag erneut der Mensch im Mittelpunkt. Das Motto vereint drei zentrale Bereiche, die heute die moderne Krebsmedizin prägen: Vorbeugung, individuelle Behandlung und Zuversicht. Maria Claudia Bertagnolli, Präsidentin der Südtiroler Krebshilfe, brachte es vor den heute im Pastoralzentrum vorgetragenen Kurzreferaten aus den Punkt: ,,Die moderne Krebsversorgung verfolgt zunehmend einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Hinter jeder Diagnose steht eine einzigartige Geschichte“, sagt sie. Genau diese Individualität wolle und solle respektiert werden.
In seinem Vortrag erläuterte Michael Kob vor allem die zentrale Rolle von Ernährung und Lebensstil. Ausgangspunkt ist die Prämisse, dass Krebs eine multifaktorielle Erkrankung ist, das heißt, es gibt kein einzelnes Lebensmittel, keine Nahrungsmittelgruppe und keine spezielle Diät, die Krebs allein verursachen, verhindern oder heilen kann. Vielmehr entsteht Krebs durch das Zusammenspiel von genetischen Faktoren, Umwelt- und Lebensstilfaktoren.
Als Alternativen werden weißes Fleisch, Fisch und insbesondere pflanzliche Eiweißquellen empfohlen.
Wissenschaftliche Daten würden zeigen, dass 30–40 % aller Krebserkrankungen durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar wären. Der regelmäßige Verzehr von rotem und insbesondere verarbeitetem Fleisch erhöht nachweislich das Risiko für Dickdarmkrebs: 100g rotes Fleisch pro Tag steigern beispielsweise das Risiko um etwa 17 %, 50g verarbeitetes Fleisch um etwa 18 %. Zusätzlich zeigen sich Risikoerhöhungen für weitere Krebsarten wie Brust-, Lungen-, Leber- und Unterleibskrebs.
Empfohlen wird daher, verarbeitetes Fleisch möglichst zu vermeiden und rotes Fleisch auf maximal 350 g gekochtes Gewicht pro Woche zu begrenzen. Als Alternativen werden weißes Fleisch, Fisch und insbesondere pflanzliche Eiweißquellen empfohlen.
Erkrankungen betreffen Männer häufiger als Frauen
Zur Krebsprävention empfiehlt Kob eine pflanzenbetonte Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst (mindestens fünf Portionen täglich), Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Diese liefern Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien, die entzündungshemmend wirken. Besonders Hülsenfrüchte – sie werden in Südtirol zu wenig konsumiert –, sollten vermehrt auf dem Speiseplan stehen.Ergänzend zur Ernährung ist regelmäßige Bewegung essenziell: Erwachsene sollten sich mindestens 30 Minuten täglich bewegen, Kinder mindestens 60 Minuten. Bereits moderate Aktivitäten wie Spazierengehen, Radfahren oder Wandern tragen zur Krebsprävention bei.
Der medizinische Leiter des onkologischen Day Hospital am Krankenhaus Brixen Gilbert Spizzo berichtete über Fortschritte in Genomik, Molekularpathologie und digitaler Medizin. „Die Zukunft liegt in der Verknüpfung biologischer Daten mit klinischer Erfahrung, damit wir Therapien entwickeln, die so individuell sind wie die Menschen, für die sie bestimmt sind“, so Spizzo.
Wie wichtig Prävention und individualisierte Medizin sind, zeigte ein Blick auf die epidemiologischen Entwicklungen in Südtirol, die Guido Mazzoleni, Volontär beim Tumorregister Südtirol und Präsident des Ärztebeirates der Südtiroler Krebshilfe für den Zeitraum 2018-2024 analysiert hat. „Zwischen 2018 und 2022 wurden in Südtirol jedes Jahr im Durchschnitt 3.065 neue Krebsfälle registriert – eine Zahl, die uns wachrütteln sollte“, mahnte Mazzoleni.
Die Erkrankungen betreffen Männer (1.684 Falle pro Jahr) häufiger als Frauen (1.381 Fälle pro Jahr). Bei Männern ist Prostatakrebs mit 25 Prozent der häufigste Tumor deutlich über dem nationalen Durchschnitt von 19 Prozent. Es folgen Blasen (11 %),
Darm (10 %) und Lungenkrebs (9 %). Bei Frauen steht Brustkrebs mit 29 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Darmkrebs (11 %) und Lungenkrebs (7,3 %).Auch die Mortalitätszahlen verdeutlichen die Bedeutung on Prävention und Früherkennung: Zwischen 2020 und 2024 starben jährlich durchschnittlich 1.189 Menschen in Südtirol an einer Tumorerkrankung (637 Männer und 552 Frauen).
Die Südtiroler Krebshilfe setzt seit über vier Jahrzehnten alles daran, Betroffene und ihre Familien bestmöglich zu unterstützen – mit psychoonkologischer Begleitung, therapeutischen Maßnahmen, sozialen Hilfen und zahlreichen entlastenden Angeboten.
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