Eine demokratische Notwendigkeit
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Das Kunsthaus Meran hat sein Kulturprogramm für das Jahr 2026 präsentiert. Es ist ein Jahr des Umbruchs und der Öffnung: Mit einem Fokus auf trikontinentale Perspektiven und die städtebauliche Zukunft Merans positioniert Direktorin Martina Oberprantacher das Haus als aktiven Akteur im gesellschaftlichen Diskurs.
In ihrer Eröffnungsrede zur Jahrespressekonferenz machte Martina Oberprantacher deutlich, dass Kunst für sie kein isolierter Raum ist. „Dem Kunsthaus ist es wichtig, den kollektiven Aspekt in der künstlerischen Auseinandersetzung zu ermöglichen. Vor allem in einer Zeit, in der es absolut notwendig ist, gerade wenn man sich die politische und gesellschaftliche Situation anschaut. Aber auch was momentan hier im Land in Bezug auf Beteiligung oder Nicht-Beteiligung passiert“, erklärte sie.
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Das kostenlose Schüler-Abo
Ein besonderes Augenmerk legt die Direktorin auf die junge Generation, die sie durch aktuelle Strukturen gefährdet sieht. „Ich denke dabei besonders an die Situation von Schülerinnen und Schülern, die Kulturveranstaltungen nur außerhalb der Schule wahrnehmen können. Wir haben uns dies auch zur Aufgabe gemacht, Schüler und Schülerinnen bei der kulturellen Beteiligung einzubeziehen“, so Oberprantacher.
Für sie ist dies eine demokratische Notwendigkeit.
Um den Zugang dauerhaft zu sichern, geht Kunst Meran einen innovativen Weg „Deshalb hat sich das Kunsthaus überlegt, ein Abo für Schülerinnen und Schüler einzurichten, kostenlos das Kunsthaus zu besuchen, auch wenn man älter als 14 ist. Das bedeutet, sie können das gesamte Jahr über mehrmals dieselbe Ausstellung besuchen und so auch am Kulturgeschehen beteiligt sein.“ Für sie ist dies eine demokratische Notwendigkeit „Die Schule ist ein wichtiger Ort, der Demokratie und kulturelle Teilhabe ermöglicht, das ist aber zur Zeit sehr schwierig, deshalb möchten wir als Kulturinstitution dies noch mehr wahrnehmen.“
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Das kuratorische Duo Simone Frangi und Lucrezia Cippitelli verantwortet 2026 gleich drei zentrale Projekte im Rahmen des Zyklus The Invention of Europe. Es geht darum, die monolithische Erzählung des Kontinents zu dekonstruieren. Den Auftakt macht der kubanische Künstler René Francisco mit seiner Ausstellung „Cómplice“. Simone Frangi betont hierbei den Aspekt der „Kompliz*innenschaft“ als ein Gefühl tiefer, nicht-hierarchischer emotionaler Verbundenheit. Begleitend wird der Künstler ein partizipatives Projekt mit der Genossenschaft Ginko realisieren. Frangi und Cippitelli betreuen zudem die Residenz von Raziel Perin, der das Performance-Projekt „Vitruvian Man“ zur Dekonstruktion toxischer Männlichkeit entwickelt, sowie die Sommerausstellung „Animacies“, die asiatische Perspektiven in Dialog mit Südtiroler Geschichten bringt.
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Zum Jahresabschluss wird das Kunsthaus unter der Leitung von Kurator Andreas Kofler zum Zentrum für Stadtentwicklung. „Für Stadtraum Meran – gestern, heute, morgen? eignen sich die Räumlichkeiten vom Kunsthaus Meran fabelhaft dazu“, erläuterte Kofler bei der Pressekonferenz.
Gerade dieses Morgen soll partizipativ diskutiert werden.
Sein Konzept sieht eine thematische Aufteilung vor „Die Räume werden in Kategorien aufgeteilt, wie zum Beispiel: Landschaft, Bevölkerung, Wohnen, Freiraum, Arbeit, Mobilität usw. Und jeweils findet man in jedem Raum das Gestern, Heute und Morgen aufgeschlüsselt. Gestern und Morgen stehen sich zum Beispiel gegenüber. Es werden sogenannte Wunderkammern mit verschiedenen Formaten, die versuchen Meran zu beschreiben. Gerade dieses Morgen soll partizipativ diskutiert werden.“
Vieles passiert im Kunsthaus selbst, aber vieles passiert auch außerhalb.
Damit dieser Diskurs auch wirklich stattfindet, öffnet das Haus seine Türen weiter als bisher. „Vieles passiert im Kunsthaus selbst, aber vieles passiert auch außerhalb. Es gibt nun auch längere Öffnungszeiten an den Donnerstagen, damit auch die arbeitenden Personen die Möglichkeit haben, das Kunsthaus zu besuchen“, so Oberprantacher. Zudem bietet sie einen ganz konkreten Raum für die Bevölkerung an „Gerade bei der Ausstellung Stadtraum Meran wird es die Möglichkeit geben, Vereinen oder Gruppen hier im Kunsthaus einen Raum anzubieten (Sparkassensaal). Dabei können Veranstaltungen selbst organisieren.
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Im Überblick
- 21.02. – 25.05.2026: René Francisco – Cómplice (Kuratiert von L. Cippitelli & S. Frangi)
- 24.04. – 08.05.2026: Künstlerresidenz Raziel Perin – Vitruvian Man (Kuratiert von L. Cippitelli & S. Frangi)
- 07.06. – 11.10.2026: Animacies (Kuratiert von L. Cippitelli & S. Frangi)
- 24.10.2026 – 17.01.2027: Stadtraum Meran – gestern, heute, morgen? (Kurator: Andreas Kofler)
Besucherinformationen
- Neu ab 2026: Langer Donnerstag bis 20:00 Uhr.
- Öffnungszeiten: Di–Sa 10–18 Uhr (Do bis 20 Uhr), So/Feiertage 11–18 Uhr.
- Schüler-Abo: Kostenloser Eintritt für alle Schülerinnen und Schüler (auch 14+).
- Infos unter: Kunst Meran
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