„Unermüdlicher Friedensstifter“
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Der Südtiroler Alexander Langer setzte sich zu Lebzeiten für den gewaltfreien Einsatz für den Frieden – insbesondere in interethnischen Auseinandersetzungen –, ökologische Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe ein. Für ebendiese Thematiken engagiert sich auch François Kamate Kasereka in seiner Heimat, der Region Kivu in der Demokratischen Republik Kongo. Dafür wird er in diesem Jahr mit dem Alexander-Langer-Preis prämiert.
Die Jury der Alexander-Langer-Stiftung bezeichnet Kamate als „unermüdlichen Friedensstifter“ und ehrt ihn als Aktivisten der jungen Generation in der krisengebeutelten Provinz Nord-Kivu, wodurch mehr Aufmerksamkeit auf einen Konflikt gelenkt werden soll, der international in den Hintergrund gerückt ist. Elisabeth Alber, Vertreterin des wissenschaftlichen Beirats der Fondazione Alexander-Langer-Stiftung, begründet die Verleihung des Preises an Kamate folgendermaßen: „In wenigen Worten: Wir haben diesen Preisträger vorgeschlagen, weil seine Arbeit eine vielfältige Form der Friedensförderung ist.“
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Kivu ist eine östliche Region der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und gilt als eine der konfliktreichsten Zonen der Welt. Seit den 1990er Jahren leidet Kivu unter aufeinanderfolgenden Kriegen, der Gewalt verschiedener Milizen, der Diskriminierung eines Teils der Bevölkerung, Korruption und schlechter Ressourcenverwaltung. Nach dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994 flohen Hunderttausende Menschen – darunter auch Angehörige der am Genozid beteiligten Milizen – in den Osten der DRK, was wesentlich zur Destabilisierung der Region beitrug. In jüngerer Zeit gab es Vermittlungsversuche, um den Konflikt zwischen der M23-Bewegung, der kongolesischen Armee und den Demokratischen Kräften zur Befreiung Ruandas zu beenden.
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„Umweltkrise und bewaffnete Konflikte sind zwei Seiten derselben Medaille“
François Kamate Kasereka versucht mit Klima- und Umweltaktivismus der negativen Entwicklung entgegenzuwirken. Laut der Alexander-Langer-Stiftung habe er – sowie auch Langer vor ihm – erkannt, dass „Umweltkrise und bewaffnete Konflikte zwei Seiten derselben Medaille“ seien. Kamate setzt sich für einen gerechten Übergang („just transition“) zu einer klimaneutralen Welt ein, die nicht auf Kosten des Globalen Südens realisiert werden solle. Als Aktivist der Kampagne „Debt for Climate“ mobilisiert Kamate für die Streichung der Auslandschulden von Ländern wie der DRK, was Klimagerechtigkeit mit wirtschaftlicher Entkolonialisierung verbindet. Die „Fossil Free Virunga“-Kampagne, an der Kamate beteiligt war, hingegen widmet sich der ökologischen Wende und kämpft für den Schutz der Artenvielfalt im Virunga-Nationalpark.
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François Kamate Kasereka wird am 17. April den Alexander-Langer-Preis entgegennehmen, da er im April im Zusammenhang mit Euromediterranea in Italien sein wird. Die Auszeichnung ist mit 10.000 € dotiert, das Geld wird von der Stiftung Sparkasse zur Verfügung gestellt. Von 17. bis 19. April gastiert Kamate in Bozen und Sterzing, dem Geburtsort Alexander Langers.
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Der Internationale Alexander Langer Preis wird seit 1997 vergeben, um Personen und Organisationen auszuzeichnen, die mit ihrem Engagement das Vermächtnis von Alexander Langer in den Bereichen Menschenrechte, Frieden, Demokratie und Umwelt weitertragen. Namenhafte bisherige Preisträger sind die Serbin Nataša Kandić und die Kosovarin Vjosa Dobruna, die im Jahr 2000 für ihren Einsatz zur Versöhnung und für den interethnischen Dialog im Kontext des Kosovo-Konflikts prämiert wurden. 2009 wurde die Iranerin und spätere Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ausgezeichnet, welche vor kurzem vom iranischen Regime inhaftiert wurde.
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