Musik | Country

Nashville-Vibe im Eppaner Lanserhaus

Chris Kaufmann im Interview: Über das Country-Revival, Nashville-Stars und warum er vor genau 125 Leuten in Eppan nervöser ist als in Stadien vor 50.000 Zuschauern.
Wild as her, Chris Kaufmann und Caro von Brünken
Foto: Felix Miller
  • Wer Chris Kaufmann zum Gespräch trifft, begegnet einem Musiker, der die Extreme kennt. Auf der einen Seite stehen die großen Stadion-Produktionen vor 50.000 Menschen, bei denen er als Gitarrist für verschiedene Stars im Rampenlicht steht. Auf der anderen Seite ist da seine eigene Musik mit dem Duo Wild As Her

    Von 50.000 zu exakt 125: Die nackte Wahrheit. Chris Kaufmann ist die ganz großen Bühnen gewohnt. Wenn er in Stadien spielt, verschwimmen die Gesichter zu einer anonymen, bebenden Masse. Doch für das Konzert am 31. Januar im Lanserhaus in Eppan ist das Gefühl ein völlig anderes. Das Team hat es genau ausgezählt: Exakt 125 Personen finden in dem historischen Ansitz Platz.

  • (c) Wild as her

  • „Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob du Teil einer riesigen Show-Maschinerie bist oder ob du vor 125 aufmerksamen Leuten stehst“, so Kaufmann. Während man im Stadion oft von der schieren Energie und der Distanz geschützt wird, gibt es im intimen Rahmen des Lanserhauses kein Verstecken. „Die Menschen kommen dort tatsächlich nur wegen dir. Da bin ich zehnmal aufgeregter als vor 50.000 Leuten, weil die Verbindung zum Publikum unmittelbar und ungefiltert ist.“ Für Kaufmann ist diese Spannung Ausdruck höchster Wertschätzung gegenüber den Fans.

  • Gitarrist & Arrangeur

    Chris Kaufmann ist ein professioneller Gitarrist, Arrangeur und Produzent, der ursprünglich aus dem Eggental stammt, aber bereits seit langer Zeit in Kaltenbrunn lebt. Seine Karriere begann mit 13 Jahren; heute ist er in Genres von Country und Rock bis Pop und Blues zu Hause. Er war langjähriges Mitglied der deutschen Country-Legende Truck Stop und ist als Studiomusiker auf Produktionen von Stars wie Bonnie Tyler oder Albert Hammond zu hören. Als Vize-Präsident von rocknet.bz engagiert er sich für die lokale Musikszene und moderiert die „Boots & Guitars Radio Show“ auf RAI Südtirol.

  • Country-Musik erfährt derzeit ein Revival, wie man es seit den 1990er-Jahren nicht mehr gesehen hat.: Foto: Caroline Trafojer
  • Country-Musik erfährt derzeit ein Revival, wie man es seit den 1990er-Jahren nicht mehr gesehen hat. „Das Genre ist endgültig weg vom Altherren-Image“, erklärt Kaufmann. Den Anstoß gaben Weltstars wie Miley Cyrus oder Ryan Tedder, dem Frontmann und Sänger der Band OneRepublic. Der endgültige Durchbruch im Mainstream kam laut Kaufmann jedoch mit Künstlern wie Post Malone, der 2023/24 einen totalen Boom auslöste. Durch die Globalisierung ist es heute möglich, dass Musiker, die sonst für US-Größen wie Luke CombsCody Johnson, Keith Urban oder Miranda Lambert spielen, auch auf Südtiroler Produktionen wie jenen von Wild As Her mitwirken.

    Vom Zufall zum preisgekrönten Duo: Die gemeinsame Geschichte mit Sängerin Caro von Brünken begann 2017, doch der Startschuss fiel durch ein Engagement bei Rock.net, wo Kaufmann sie einlud, Songs für Kinder zu schreiben. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden viele Projekte, darunter Alben für die Vinschgerin Elisa Leen. Ein übrig gebliebener Song wurde schließlich zum Grundstein für ihr eigenes Duo. Der Erfolg gab ihnen recht: 2025 gewannen sie den ACMF Award als „Best Band International“, gewählt von einer 70-köpfigen internationalen Jury.

  • Sängerin, Songwriterin & Vocalcoach

    Caro von Brünken arbeitet regelmäßig für nationale Größen wie die Münchener Freiheit oder Wincent Weiss. Als Live-Musikerin tourt sie mit der Artrock-Band RPWL durch Europa. Auch in der Filmwelt ist ihre Stimme gefragt: Aktuell ist sie im Walt-Disney-Blockbuster „Vaiana 2“ zu hören.

  • Das neue Projekt „Heartshaped Road“ ist auf Vinyl erschienen. Die A-Seite „Matches & Gasoline“ ist laut und poppig, produziert mit einem Team zwischen Nashville, Berlin und Mallorca. Die B-Seite hingegen ist puristisch. „Wir starteten mit der Essenz: Gitarre und Stimme. Hier sind fast ausschließlich Südtiroler Musiker dabei“, so Kaufmann. Dass sie bewusst auf Vinyl setzen, ist eine Entscheidung für die Fans. „Fans kaufen gerne etwas mit Wert. Es ist die Rückkehr zum Analogen und eine Form der gegenseitigen Wertschätzung.“

    Gefördert durch den „Music fund“ Dass die akustische Seite des Albums so stark in der Heimat verwurzelt ist, liegt auch an der IDM-Musikförderung. Wild As Her hat den ersten Call des neuen „Music fund“ gewonnen. Damit verbunden war die Vorgabe, dass die Produktion im Land bleibt – aufgenommen im eigenen Studio und gemischt von Dominik Aster. „Im Country geht es um ehrliche Geschichten aus dem Leben“, resümiert Kaufmann. Geschichten, die am 31. Januar im Lanserhaus ihre Bühne finden.

  • Auftritt & Album

    • Live: 31.01.2026, 20:00 Uhr, Lanserhaus, Eppan.
    • Album: „Heartshaped Road“ (Vinyl, CD, digital). Das Projekt wurde im Dezember 2025 veröffentlicht und zeigt die akustische Seite des Duos.
    • Weitere Infos

    Seit Januar 2025 verwaltet IDM den Südtiroler Musikfonds. Maßgeblich an der Konzeption und Umsetzung dieses Fördermodells beteiligt war PERFAS – Performing Artists Association South Tyrol. Als Interessenverband für professionelle Künstler:innen und Musikschaffende hat PERFAS das Programm gemeinsam mit der Landesregierung, dem Amt für Kultur, der Abteilung Wirtschaftsentwicklung und IDM ausgearbeitet.

    Die Förderung 2025: In der ersten Förderrunde stand eine Gesamtsumme von circa 184.000 Euro zur Verfügung, die an zehn ausgewählte Projekte verteilt wurde. Ziel der Förderung ist es, die lokale Wertschöpfung zu stärken: Mindestens 120 % der erhaltenen Fördersumme müssen direkt in Südtirol ausgegeben werden (z. B. für lokale Musikerinnen und Musiker, Studios oder Dienstleister).

    Geförderte Projekte 2025: Wild As Her, Since11, Moritz Gamper, Anita Obwegs, Manfred Schweigkofler, Wicked and Bonny, Timbreroots, Rise o’Clock, Edition Raetia/12Ville, Julnotjules (Julian Patrick Angerer).

    Ausblick 2026: Professionelle Musikschaffende können ihre Projekte in zwei neuen Förderrunden einreichen. Die Deadlines sind der 28. April und der 29. September 2026.