Gesperrte Freestyler
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Als der Pustertaler Snowboardlehrer Julian Niederkofler in der vergangenen Woche versuchte, mit seiner persönlichen Dolomiti Superski-Karte mit einem der Lifte des Skigebiets Kronplatz zu fahren, passierte das, was er bereits erwartet hatte. Wie es kurz zuvor der Skischule, bei der er in Teilzeit arbeitet, mitgeteilt wurde, funktionierte sein Skipass tatsächlich nicht mehr. Genauso erging es einem seiner Kollegen aus der Skischule.
Ursache für die Sperre seien laut Niederkofler kritische Kommentare unter einem Instagram-Post des Skigebiets gewesen. Vor einer Woche hat der offizielle Kronplatz-Account ein Video des Snowparks online gestellt, um damit zu werben. Darin wird der Snowpark als „perfect playground“ beschrieben. Einige Snowboarder, darunter auch Niederkofler und sein Kollege, stellten diese Darstellung in den Kommentaren in Frage. Andere taten dies auf humorvolle Art und Weise (etwa Clownsfotos, die implizieren sollen, dass die Entscheidungsträger des Kronplatzes Clowns seien).
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„Perfect playground“?
Der Kommentar des Snowboardlehrers Niederkofler unter dem Post jedoch blieb sachlich: „Seien wir ehrlich – dieser Park hat nichts mit dem zu tun, was beworben wird. Die Sprünge sind nicht flüssig, die Elemente sind schlecht konstruiert und einige Landungen sind gefährlich. Das ist keine Action und kein Spaß – das ist Frustration und unnötiges Risiko.“ Laut Niederkoflers Kommentar gebe die Community seit Jahren Feedback und habe sogar ihre Unterstützung angeboten, um den Park zu verbessern. Außerdem hätten etablierte Marken (zum Beispiel Monster Energy) ebenfalls Interesse an einer Beteiligung gezeigt, was allerdings abgelehnt wurde.
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Als Reaktion auf die negativen Kommentare schrieb das Kronplatz-Team unter dem Post, dass sich die Ausrichtung des Kronplatz in den letzten Jahren verändert habe und der Schwerpunkt heute stärker auf einem breiten Angebot für viele Gäste, besonders für Familien und Genuss-Skifahrer, liege. „Das heißt auch, dass der Snowpark in seiner früheren Größe und Ausrichtung aktuell nicht mehr Teil der Planung ist. Uns ist klar, dass diese Entwicklung viele von euch enttäuscht“, so das Statement des Kronplatz-Teams weiter. Trotzdem würden sie sich einen „respektvollen Umgang miteinander“ wünschen.
Laut Niederkofler sei es an demselben Tag, an dem er seine Kritik in Kommentarform veröffentlicht hatte, zur Eskalation mit der Skipass-Sperre gekommen. „Bemerkenswert ist, dass ich darüber nicht direkt informiert wurde, obwohl meine Kontaktdaten vorlagen. Stattdessen wurde meiner Skischule mitgeteilt, dass ich nicht mehr kommen können werde“, berichtet Niederkofler. Auf Nachfrage habe er zunächst weder mündlich noch schriftlich eine Begründung für die Sperre erhalten.
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Gegenüber SALTO gibt der Generaldirektor der Kronplatz Group, Andreas Dorfmann, als Grund für die temporäre Maßnahme an, dass die öffentlichen Beiträge der beiden Personen in den sozialen Medien „aus unserer Sicht über sachliche Kritik hinausgingen. In diesen Beiträgen wurden Mitarbeitende namentlich genannt und es kam zu unsachlichen beziehungsweise abwertenden Kommentaren gegenüber Mitarbeitern und dem Unternehmen“. Es habe sich „um eine Ankündigung einer vorübergehenden Deaktivierung der Skipässe mit dem Ziel, zeitnah ein persönliches Gespräch zu führen und die Situation direkt zu klären“ gehandelt. Die Deaktivierung bestand laut Dorfmann „vorübergehend über ein paar Stunden und wurde nach erfolgter Aussprache umgehend aufgehoben“. Kritik, so Dorfmann, sei nicht unerwünscht: „Im Gegenteil: Konstruktive Kritik begrüßen wir, da verschiedene Sichtweisen eine offene und sachliche Auseinandersetzung fördern. Nicht akzeptabel sind jedoch persönliche Angriffe, die Nennung von Mitarbeitenden in einem abwertenden Kontext oder Aufrufe zu unsachlichem Verhalten“.
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Unterschiedliche Sichtweisen
Niederkofler widerspricht dieser Darstellung, seine Karte habe in der letzten Woche von Mittwochabend bis Freitagfrüh nicht funktioniert. Zwar habe sein Kollege aus der Skischule tatsächlich in einer Insta-Story (die nur für kurze Zeit online war) das Foto eines Mitarbeiter der Kronplatz Group aufscheinen lassen, aber lediglich um ihn als Ansprechperson für möglich Beschwerden bezüglich des Snowparks anzuführen. Zudem weist Niederkofler den Vorwurf zurück, dass er sich unsachlich oder abwertend gegenüber Einzelpersonen geäußert hätte.
„Es handelt sich um eine Einzelfallentscheidung meinerseits,“ so Dorfmann weiter, „die auf die konkrete Situation bzw. die inzwischen gelöschten Posts der beiden Snowboardlehrer abgestimmt war. Bei der beschriebenen Maßnahme handelte es sich nicht um ein formelles Sanktionsverfahren, sondern um eine situative Maßnahme zur Deeskalation und Klärung. Ziel war es, in einem persönlichen Gespräch ihnen unsere Sichtweise darzustellen, Missverständnisse auszuräumen und einen weiterhin professionellen Umgang sicherzustellen“, teilte Dorfmann schriftlich mit. Auch hier widerspricht Niederkofler, denn alle verfassten Posts seien nach wie vor online einsehbar und von der angeblichen Verunglimpfung von Mitarbeitenden war erst in der Antwort auf die Presseanfrage die Rede, ihm persönlich wurde selbst im Einzelgespräch davon nichts gesagt.
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Nachdem Niederkofler zur Klärung der Situation Kontakt aufgenommen hatte, kam es laut dessen eigener Aussage vergangenen Donnerstagabend zu einem Gespräch mit dem Generaldirektor Dorfmann. Am nächsten Tag wurde die Skipass-Sperre zwar wieder aufgehoben, das Unverständnis über die getroffene Maßnahme aber blieb bei Niederkofler bestehen. Ebenso misste Niederkofler nach dem Gespräch nach wie vor eine klare Begründung für die Skipass-Sperre, nur indirekt wurden die negativen Kommentare als Grund dafür angesprochen.
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Ohne nötige Infrastruktur, keine Freestyle-Szene
Auch einer Mutter von mehreren Kindern, die Ski-Freestyle betreiben – sie möchte lieber anonym bleiben –, sind die Sorgen der Brunecker Freestyle-Szene schon länger bekannt: Einige ihrer Kinder mussten im vergangenen Dezember für ihr Freestyle-Training teilweise auf Dorfskilifte ins weiter entfernte Weißenbach und Prags ausweichen, weil bis dahin auf dem Kronplatz nichts präpariert worden war. Auch sie hat beobachtet, dass der Snowpark in den vergangenen Jahren stark zurückgebaut wurde. „Besonders schade ist es um die tolle Freestyle-Szene, die es vor wenigen Jahren noch gab. Aber das stirbt immer mehr aus, weil der Kronplatz einfach nicht mehr die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellt. Natürlich handelt es sich um ein privates Unternehmen, aber bei so viel Platz gäbe es die Möglichkeit, ein kleines soziales Projekt zu unterstützen“, meint sie. Andere Skigebiete in Südtirol würden das schließlich auch hinbekommen. Kritik an der Situation rund um den Snowpark am Kronplatz ist also nichts Neues.
„Wo sind wir denn hier gelandet? Das klingt ja fast nach Trump-Methoden.“
Über den kurzzeitigen Ausschluss der Snowboardlehrer aus dem Skigebiet zeigt sich die Mutter schockiert. „Wo sind wir denn hier gelandet? Das klingt ja fast nach Trump-Methoden in Amerika.“ Julians Kommentar sei in ihren Augen überhaupt nicht beleidigend gewesen und sei strikt bei den Fakten geblieben. Sie ist der Meinung, dass als Kunde (wie es auch die Snowboardlehrer sind) Kritik am Skigebiet erlaubt sein muss, solange es auf einem gewissen Niveau stattfindet.
Der Snowboardlehrer Julian Niederkofler jedenfalls hält an seiner Meinung fest, die er auch in der öffentlichen Kommentarspalte niedergeschrieben hat: Freestyle im Kronplatzgebiet habe Besseres verdient. Schließlich gehe es um olympische Disziplinen, die viele Menschen begeistern, insbesondere junge Fahrerinnen und Fahrer.
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