Gesellschaft | VDS-Wahl

Martina Ladurner will im Amt bleiben

Die Landesregierung forciert die Pflege zuhause anstatt im Heim: Sie stoppt weitere Geldmittel für Pflegeheime und liefert so passenden Zündstoff für einen Wahlkampf.
Martina Ladurner
Foto: VDS
  • Soziallandesrätin Rosmarie Pamer macht keinen Hehl daraus: Beim Thema Alter liege ihr Fokus auf der Pflege zuhause und auf der Entlastung der pflegenden Angehörigen. Das sagte sie Anfang März in der Landtagsdebatte zum Beschlussantrag des Team K für eine schnellere Pflegeeinstufung. 

  • Kostendruck und bevorstehende Neuwahl

    Nachdem letztes Jahr das Gehalt der Pflegekräfte endlich an die Inflation angepasst wurde, mussten auch die Heime die Grundtarife ihrer Bewohner anheben. Doch um die Finanzierungslücke ganz zu schließen, brauche es mehr Geldmittel der öffentlichen Hand, so die Position des Verbands der Seniorenwohnheime (VDS)

     

    „Eine Reihe von Pflegeheimen will den Grundtarif nicht anheben.“

     

    Landeshauptmann und Finanzlandesrat Arno Kompatscher sieht diese Forderung nicht gerechtfertigt. „Eine Reihe von Pflegeheimen scheut sich vor der Kostenwahrheit in der eigenen Struktur und will den Grundtarif nicht anheben“, sagt er gegenüber SALTO. Und erhöht damit den Druck auf Martina Ladurner. 

    Die VDS-Präsidentin muss sich am 23. April bei der Generalversammlung ihres Verbands der Wiederwahl stellen. Schafft sie es erneut in den neunköpfigen Ausschuss und stimmt auch das Abstimmungsergebnis der 56 Delegierten kann die langjährige Funktionärin ihr Amt fortführen. Vorausgesetzt der gewählte Ausschuss ernennt sie anschließend bei der ersten konstituierenden Sitzung zur Präsidentin. 

  • In Würde altern?: Viele brauchen im hohen Alter jahrelange Pflege und sind von psychischen Erkrankungen betroffen. Foto: Freepik
  • Die Kandidatenliste für den neuen Ausschuss liegt bereits der Verbandsspitze vor. Nächste Woche wird die Einladung für die Generalversammlung samt Liste an die 56 Träger mit 81 Heimen versendet werden. Da Liliana Di Fede von den Sozialdiensten Bozen und Herbert Watschinger, Direktor der Stiftung „Hans Messerschmied ÖBPB“ in Innichen, aus Altersgründen nicht mehr antreten, werden sie nicht mehr Teil des Ausschusses sein. 

     

    „Ich stelle mich der Wiederwahl.“

     

    Deutlich spannender ist allerdings die Frage, wer anstatt der amtierenden Vizepräsidentin Beatrix Kaserer in den Ausschuss kommt. Diese darf nach drei Mandaten nicht mehr antreten und ist Direktorin der Ö.B.P.B. Seniorenwohnheim Stiftung Lorenzerhof in Lana. „Ich stelle mich der Wiederwahl, alles weitere werden wir bei der Generalversammlung sehen“, sagt Ladurner. Sie habe in diesen fünf Jahren vieles in Umsetzung gebracht und sei von ihrer Aufgabe überzeugt. 

    Die ehemalige SVP-Abgeordnete aus Algund wurde am 12. Mai 2021 an die Verbandsspitze gewählt und wurde damit die erste weibliche VDS-Präsidentin. Seitdem hat sich auch die Entschädigung für das größer gewordene Arbeitspensum erhöht. Waren es im Jahr 2022 noch rund 30.300 Euro Entschädigung, waren es im vergangenen Jahr knapp 47.000 Euro. Die attraktive Entlohnung könnte dazu führen, dass Ladurner sich gegen Konkurrenz aus den eigenen Reihen beweisen muss. Doch noch will niemand einen Namen nennen.  

  • Keine ideale Lösung in Sicht

    In der Zwischenzeit geht das Ringen um die Grundtarife weiter. In einer Aussprache mit Pamer und Kompatscher hofft der VDS auf einen Kompromiss, um den Mittelstand nicht weiter zu belasten. Doch die Landesregierung hat bereits mehrmals signalisiert, dass die öffentlichen Geldmittel für die Altersversorgung nicht alleine an die Seniorenwohnheime gehen sollen.

     

    „Heute liegen häufig mehrere Krankheitsbilder vor, zum Beispiel psychische Erkrankungen.“

     

    Im Vergleich zu einem Heimplatz greifen Familien für die Pflege zuhause mit einer sogenannten Badante viel tiefer in die Tasche. „Da Hauspflegekräfte Anspruch auf Freizeit und Urlaub haben, müssen die meisten Familien zwei Personen anstellen oder Angehörige helfen aus“, berichtet Ulrich Seitz, Präsident der Stiftung Seniorenwohnheim „Pilsenhof“ in Terlan und Präsident der Alzheimervereinigung. 

    Zudem habe sich europaweit der durchschnittliche Pflegezeitraum für eine Person erhöht. Waren es vor zehn Jahren noch fünf bis sechs Jahre, sind es heute 10 bis 13 Jahre. Außerdem seien auch die Krankheitsverläufe komplizierter geworden. „Heute stehen wir häufig vor der Herausforderung, dass mehrere Krankheitsbilder vorliegen, zum Beispiel auch psychische Erkrankungen.“ Viele alte Menschen würden beispielsweise seit Jahren mit einer nicht diagnostizierten Depression leben. 

    Noch scheinen also weder die Politik noch der Pflegesektor eine ideale Antwort für ein Altern in Würde gefunden zu haben. Wird VDS-Präsidentin Martina Ladurner im Amt bestätigt, bleibt für sie noch einiges zu tun.