„Im Winter wächst kein Gemüse“
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Wenige Tage vor der Gemeinderatssitzung zur Neuregelung des Bauernmarkts am Donnerstag gehen in Brixen die Wogen hoch: Die Grüne Bürgerliste fürchtet in einer Pressemitteilung um die Zukunft des beliebten Markts, der zweimal wöchentlich am Hartmannsplatz stattfindet. „Wir wollen, dass der Bauernmarkt auch Bauernmarkt bleibt und kleine Betriebe eine Chance haben, ihre Produkte zu verkaufen“, erklärt auch Moritz Amplatz, Obmann des Bauernmarktvereins in der Bischofsstadt.
„Solche Kosten sind für einen kleinen Bauern nicht tragbar.“
Der Brixner Bauernmarkt soll neu geregelt werden. Dafür hat Wirtschaftsreferentin Sara Dejakum (SVP) vor eineinhalb Jahren eine Steuerungsgruppe eingerichtet. „Das Land hat die Rahmenrichtlinien für den Verkauf auf öffentlicher Fläche geändert und wir müssen, wie jede andere Südtiroler Gemeinde auch, die neue Marktordnung bis April verabschieden“, erklärt Dejakum. Derzeit organisiert der Bauernmarktverein selbst seine Tätigkeit am Hartmannsplatz. Die Gemeinde wird nun eine Ausschreibung für die Marktstände durchführen, bei der Betriebe „mit historischer Marktpräsenz“ auf der Rangliste bevorzugt behandelt werden sollen.
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„Es wird nicht mehr so sein, dass der Verein das gute und schlechte Wetter in Sachen Bauernmarkt macht, sondern die Organisation wird dem Stadtmarketing der Tourismusgenossenschaft übertragen“, stellt die Wirtschaftsreferentin klar. Heute sei es nur den 17 Vereinsmitgliedern vorbehalten, dort ihren Stand aufzubauen. Dutzende weitere interessierte Bauern seien in den letzten Jahren leer ausgegangen. Dejakum will deshalb den Bauernmarkt auf bis zu 25 Stände vergrößern und das Angebot um weitere Produkte wie Fisch oder handwerkliche Erzeugnisse erweitern. Das Stadtmarketing soll, wie auch beim Christkindlmarkt, die Koordination und Auswahl der Anbieter übernehmen.
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Die Kritik der Bauern
Der Obmann des Bauernmarktvereins begrüßt diese Initiative zwar grundsätzlich, kritisiert aber die neuen Rahmenrichtlinien: „Wir werden in Zukunft verpflichtet sein, neu angekaufte Marktstände der Gemeinde zu nutzen und eine jährliche Miete von mehreren Tausend Euro zu bezahlen. Solche Kosten sind für einen kleinen Bauern nicht tragbar“, so Amplatz. Heute organisiert sich jeder Bauer selbst und bezahlt die Miete nur, wenn er auch tatsächlich mit Produkten vor Ort ist. „Ein Bauer arbeitet saisonal und in Südtirol wächst im Winter kein Gemüse. Die geplante ganzjährige Präsenzpflicht ist auf einem Bauernmarkt deshalb schwer umsetzbar“, erklärt er.
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„Wir werden nun mit den Bauern Einzelgespräche führen, um eine Lösung zu finden. Zum Beispiel können sie sich in Zeiten mit wenig verfügbarer Ware einen Stand teilen“, entgegnet Dejakum. Im Vergleich dazu gilt beim Montagsmarkt in Brixen bereits heute eine Präsenzpflicht. Nach der Verabschiedung der Marktordnung will die Wirtschaftsreferentin beim Land um eine Startfinanzierung für die neuen Marktstände ansuchen.
Läuft alles nach Plan, wird der neue Bauernmarkt nächstes Jahr im Frühling eröffnet und soll weiterhin zweimal pro Woche stattfinden, einmal unter der Woche nachmittags und weiterhin am Samstagvormittag. „Sinn und Zweck der Sache sind 100 Prozent Naherzeuger am Bauernmarkt zu haben. Dieses Ziel haben wir auch beim Christkindlmarkt verfolgt. Am Anfang gab es einen großen Aufschrei, einige fielen weg, neue kamen dazu und alle haben gewonnen“, zeigt sich Dejakum optimistisch.
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Präsenzpflicht ist für einen…
Präsenzpflicht ist für einen Bauernmarkt vollkommener Unsinn.
Das riecht schon weitem nach…
Das riecht schon weitem nach Tourismus-Event. Wird „einmal unter der Woche am Nachmittag“ zufällig der Freitag sein, damit die Gäste vor der Heimreise noch etwas zu schauen und mitzunehmen haben?
Es gibt jetzt schon Fisch (allerdings saisonal) und Handwerkserzeugnisse auf dem Brixner Bauernmarkt, was Frau Dejakum wohl wüsste, wenn sie gelegentlich hingehen würde oder sich auch nur eine Liste der Stände geben lassen hätte.
Das Ziel, 100% Naherzeuger auf dem Bauernmarkt zu haben, ist im Status quo erreicht. Durch den neuen Entwurf scheint dieses Ziel gerade in Frage gestellt zu werden, weil ja die Angleichung an den Montagsmarkt oder Christkindlmarkt angepeilt wird. Wir werden uns wohl darauf einstellen müssen, dass man es auf dem ehemaligen Bauernmarkt großteils mit gewerblichen Handelsleuten zu tun haben wird, nicht mit Direktvermarktern wie bisher.
Vielsagend ist, dass dem Bauernmarkt das Recht genommen wird, sich selbst zu organisieren und darüber zu entscheiden, ob ein Interessent wirklich die Voraussetzungen für die Marktteilnahme erfüllt. Frau Dejakum scheint zu implizieren, dass der Bauernmarktverein unter Obmann Amplatz diese Entscheidungen geradezu willkürlich getroffen hätte und „dutzende“ Interessenten unrechtmäßig abgewiesen hätte. Wenn Dejakum diesen schwerwiegenden Vorwurf erheben möchte, dann sollte sie ihn ausführlich belegen können.
Die Aufgabe der Organisation des Marktes fällt nun an das Stadtmarketing der Tourismusgenossenschaft. Das sagt viel: Hier geht es darum, einen Marketing-Gag, ein Event für Gäste zu produzieren.
Es ist erstaunlich weit gekommen, wenn die Touristiker und Marketingexperten den (vormals?) stolzen Bauernstand einfach so biegen können.