Seite an Saite für den Zithertraum
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SALTO: Frau Gamper, das Zitherspielen ist tief in der Südtiroler Kultur verwurzelt, wird aber oft nur mit Folklore assoziiert. Warum ist gerade jetzt der richtige Moment für ein eigenes Festival in Feldthurns, das dieses Bild aufbrechen will?
Reinhilde Gamper: Die Zither ist in Südtirol tatsächlich tief verwurzelt – vor allem in der alpenländischen Volksmusik, oft wird sie nach außen hin darauf reduziert. Dabei hat sich in den letzten Jahren eine erstaunlich lebendige und vielfältige Zitherszene entwickelt: Viele junge Musikerinnen und Musiker entdecken das Instrument neu, experimentieren, verbinden Tradition mit neuen Klangwelten und erweitern ganz selbstverständlich das musikalische Spektrum. Genau diese Vielfalt sichtbar zu machen, ist das Ziel des Festivals. Es soll zeigen, dass die Zither heute viele Gesichter hat – bunt, zeitgenössisch, neugierig und offen. Erst im vergangenen Frühjahr hatte ich ganz stark das Gefühl: Jetzt ist der richtige Moment. Die Szene ist da, die Energie ist da – und es ist Zeit, diesem Instrument den Raum zu geben, den es verdient.
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Zur Person
Reinhilde Gamper ist die treibende Kraft hinter der modernen Zitherszene Südtirols. Als leidenschaftliche Musikerin und Pädagogin ist es ihr Ziel, der Zither den Raum zu geben, den sie als anspruchsvolles Soloinstrument verdient. In Projekten wie dem Ensemble Cordes y Butons verbindet sie ihre Südtiroler Wurzeln virtuos mit neuen Klangwelten. Mit der Gründung des ersten Zitherfestivals verwirklicht sie ihre Vision, Tradition und Innovation in einer lebendigen Gemeinschaft hörbar zu machen.
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Reinhilde Gamper, Zitherspielerin und Musikpädagogin und Initiatorin des Festivals: Foto: Martina JaiderWarum wurde das Castaneum als Austragungsort gewählt? Inwiefern korrespondiert die Architektur des Hauses mit Ihrem Ziel, die Zither in der Gegenwart ankommen zu lassen?
Feldthurns ist eine Gemeinde, in der die Zither bereits stark Fuß gefasst hat: Es gibt bestehende Ensembles, viele meiner Schülerinnen und Schüler kommen von hier, und das Instrument wird im Ort geschätzt. In diesem Sinne ist Feldthurns ein sehr natürlicher und authentischer Ort für den Beginn dieses Festivals. Die moderne Architektur des Castaneum korrespondiert zudem auf besondere Weise mit unserem Anliegen. Der Saal ist in Größe und Atmosphäre genau richtig, und die Location trägt die Idee auf sehr stimmige Weise mit. Ergänzt wird das Castaneum durch die Laurentiuskirche gleich gegenüber, die sich hervorragend für die geplante Klanginstallation eignet. In diesem besonderen Raum kann die Zither noch einmal aus einem anderen Blickwinkel erlebt werden – konzentriert, sinnlich und offen.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Auswahl der Künstler:innen getroffen? Stand die geografische Brücke über den Alpenraum oder die musikalische Bandbreite im Vordergrund?
Mein zentrales Anliegen war es, die Zither in ihren vielen klanglichen Facetten zu zeigen – von der Volksmusik bis hin zu zeitgenössischen Ausdrucksformen. Im Vordergrund stand zunächst, die Südtiroler Zitherszene zu stärken und sichtbar auf die Bühne zu bringen.
Dabei wurde mir erst richtig bewusst, wie groß und vielfältig die Zitherwelt heute ist
Gleichzeitig war es mir wichtig, auch über die Landesgrenzen hinauszublicken und Impulse aus Österreich, Deutschland und Slowenien einzubeziehen. Dabei wurde mir erst richtig bewusst, wie groß und vielfältig die Zitherwelt heute ist. Ein starker Schwerpunkt liegt zudem auf der jungen Südtiroler Zitherszene, der wir ein Podium geben möchten. Die Zitherjugend spielt eine zentrale Rolle – sie ist das Sprachrohr der Zukunft und trägt entscheidend dazu bei, wie dieses Instrument weitergedacht wird.
Neben etablierten Größen wie Georg Glasl geben Sie auch der „Zitherjugend“ eine große Bühne. Wie schwierig war es, eine Balance zu finden, bei der sich traditionsverbundene Spieler ebenso abgeholt fühlen wie jene, die neu interpretieren?
Diese Balance war weniger schwierig, als man vielleicht vermuten würde. Unser Ansatz war von Anfang an, das breite Spektrum sichtbar zu machen. Der rote Faden ergibt sich dabei ganz selbstverständlich: Es geht immer um die Zither – um ihr Klangpotenzial und darum, wie sie heute erklingen kann. Das Festival verstehe ich nicht als Gegenüberstellung von Tradition und Innovation, sondern als gemeinsamen Raum, in dem unterschiedliche Zugänge gleichwertig nebeneinander bestehen dürfen.
Gibt es unter den eingeladenen Musiker:innen jemanden, der eine ganz besondere Spieltechnik oder ein spezielles Instrument mitbringt?
Beim Festival darf man sich tatsächlich auf eine außergewöhnliche Vielfalt freuen. Insgesamt werden rund 70 unterschiedliche Zithern zu sehen und zu hören sein – in verschiedensten Formen, Farben und Ausprägungen. Vertreten ist die Zither in ihrer historischen Form ebenso wie in modernen Weiterentwicklungen. Neben der klassischen Zither erklingen auch Bass-, Alt- und Diskantzithern, die das Klangspektrum deutlich erweitern. Für die Fachwelt ebenso wie für neugierige Zuhörerinnen und Zuhörer eröffnet sich hier ein spannender, oft überraschender Blick auf ein Instrument, das weit mehr ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Es wird zudem auch verstärkte Set-ups und elektronische Zugänge geben, bei denen die Zither mit modernen Elementen verwoben wird.
Die Zither gilt technisch als extrem anspruchsvoll. Wie motivieren Sie junge Menschen, dranzubleiben und das Instrument als Teil ihrer Identität zu sehen?
Die Zither ist ein komplexes Instrument, das Zeit, Ausdauer und Motivation braucht. Das lässt sich nicht beschönigen. Gerade beim Zithertreff 2026 erlebe ich jedoch, dass der entscheidende Faktor die Gemeinschaft ist. Es geht nicht nur um individuelles Üben, sondern um das gemeinsame Musizieren und das Teilen von Erlebnissen. In diesem Umfeld wird die Zither als lebendiges Ausdrucksmittel wahrgenommen. Die Jugendlichen erleben, dass sie mit dem Instrument Teil von etwas Größerem sind, dass sie sich einbringen und wachsen können. Genau diese Verbindung aus musikalischer Herausforderung und gelebter Gemeinschaft ist es, die langfristig motiviert.
Sie sind Initiatorin, stehen aber auch selbst auf der Bühne. Nutzen Sie das Festival bewusst als Experimentierfeld für Ihre ganz persönliche Klangsprache?
Ich stehe unter anderem mit der Gruppe Cordes y Butons auf der Bühne. Dieses Ensemble spiegelt gut wider, worum es mir geht: Unsere Wurzeln liegen klar in Südtirol, und diese Herkunft ist für mich ein Fundament, kein Widerspruch. Gleichzeitig blicke ich gerne über den Tellerrand hinaus. Das Festival verstehe ich nicht als Ort, an dem historische Perfektion ausgestellt wird, sondern als Raum, in dem sich Tradition weiterentwickeln darf. Meine Haltung ist es, traditionsbewusst zu starten, sich dann aber offen in unterschiedliche Klangwelten zu begeben und neugierig zu bleiben. Es geht um den Respekt vor der Geschichte der Zither und um die Freiheit, eine ganz persönliche Klangsprache zu entwickeln.
- Vielfalt erleben: Rund 70 verschiedene Zithern – von historischen Modellen bis hin zu elektronischen Set-ups – kommen zum Einsatz.
- Programm-Highlights: Ein spannender Bogen von klassischer Volksmusik über zeitgenössische Literatur bis hin zu Klanginstallationen in der Laurentiuskirche.
- Brückenschlag: Internationale Größen wie Georg Glasl treffen auf die aufstrebende „Zitherjugend“ aus dem gesamten Alpenraum (Südtirol, Österreich, Deutschland und Slowenien).
- Wann & Wo: 6.–7. Februar 2026 im Castaneum und in der Laurentiuskirche, Feldthurns.
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