Kultur | Bibliophile Fragen

„Ich liebe Bücher“

Die Texterin und Autorin Sabine Peer hat bereits einige Bücher veröffentlicht. Und sie hat die "immer gleichen Fragen" von SALTO beantwortet.
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Foto: Privat
  • SALTO: Welches Buch hat Sie in Ihrer Kindheit nachhaltiger geprägt, als Sie damals je geglaubt hätten?

    Sabine Peer: „Na klar, Lotta kann Rad fahren!“ von Astrid Lindgren. Schon als ich dieses Buch von meinen Eltern zu meinem siebten Geburtstag geschenkt bekommen habe, wollte ich es unbedingt selbst lesen können. Ich habe mich so eifrig darum bemüht, dass ich in kurzer Zeit tatsächlich fließend lesen gelernt habe. Nach und nach habe ich alle Bücher von Astrid Lindgren mit Begeisterung verschlungen. Was ich damals noch nicht wusste, die Inhalte der Bücher haben meine Einstellungen und Überzeugungen nachhaltig geprägt: selbständiges Denken etwa oder das In-Frage-stellen von Autoritäten, der Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens sowie Respekt vor anderen genauso wie vor Fauna und Flora.

    Welcher letzte Satz eines Romans ist und bleibt für Sie ganz großes Kopfkino?

    Zwar nicht der letzte, aber dafür der erste Satz in Lew N. Tolstois „Anna Karenina“: Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise. Leider gelingt die Übersetzung nur unzureichend, aber im russischen Original tritt diese eine Aussage sofort das ganz große Kopfkino los! Für alle, die die russische Sprache verstehen: «Все счастливые семьи похожи друг на друга, каждая несчастливая семья несчастлива по-своему».
     

    Beim Lesen taucht man in eine andere Welt ein. Verlässt die gewohnten Pfade der eigenen Gedanken. 

  • Heimat im Gepäck: Sabine Peer, geboren und aufgewachsen in Bozen, studierte Slawistik/Russisch und Theaterwissenschaft an der Universität Wien, absolvierte eine Ausbildung zur Lektorin an der Akademie der deutschen Medien in München. Sie unterrichtete Russisch am Gymnasium, arbeitete mehrere Jahre als Redakteurin, davon zwei als Redaktionsleiterin. Heute führt sie die Firma „Textstudio Pe.eR“ und ist erfolgreich als Autorin. Foto: Privat

    Reimen ist doof, Schleimen ist noch doofer… Auf welches – anscheinend gute – Buch konnten Sie sich nie wirklich einen Reim machen?

    Eventuell: „Der Mensch ist böse“ von Marquis de Sade? Zumindest ist es das einzige Buch – soweit ich mich erinnere – das ich mir gekauft und nicht bis zum Ende durchgelesen habe bzw. nicht zu Ende lesen konnte. Es war mir einfach zu grausam, zu widerwertig, zu ekelerregend und schließlich zu sinnentleert.

    Ein Fall für Commissario Vernatschio. Wie erklären Sie einem Außerirdischen die geheimnisvolle Banalität von Lokalkrimis?

    Sofern ein „Außerirdischer“ generell mit „Krimis“ etwas anzufangen weiß, würde ich zu den Lokalkrimis noch ergänzen, dass ihre „geheimnisvolle Banalität“ womöglich darin liegen mag, dass sie uns durch ihren lokalen Bezug vertrauter erscheinen. Man erkennt Orte und Gepflogenheiten. Sie sind bodenständiger. Gehen auf Tuchfühlung mit unseren eigenen Leben. Dass in dieser, uns vertrauten – sprich banalen – Idylle, Verbrechen geschehen, birgt das „Geheimnisvolle“.

    Gewichtig! Welchen Buch-Tipps schenken Sie noch uneingeschränkt Vertrauen?

    Ich tue mich generell schwer mit dem uneingeschränkten Vertrauenschenken. Auch Buch-Tipps machen da keine Ausnahme. Am besten ist es immer, sich selbst eine Meinung zu bilden. Und dafür muss man selbst lesen. Viel lesen. Gute Bücher, aber eben auch weniger gute! Nur so lernt man, das eine vom anderen zu unterscheiden. Denn schließlich: Lesen bildet!

    Was für ein Fehlschlag! Welches Buch würden Sie auf einer einsamen Insel zurücklassen? 

    Ich liebe Bücher. Das ist schon so, seit ich denken kann. Schon der Gedanke, ein von mir erworbenes Buch irgendwo zurückzulassen, behagt mir nicht. Das gilt sogar für den oben genannten Marquis de Sade. Auch wenn mir dieses Buch zuwider ist, so habe ich mich dennoch nie von diesem Buch getrennt, sondern es steht nach wie vor in einem Regal in meiner Bibliothek.

    Das Rauschen des Blätterns. Welches Buch würden Sie auf keinen Fall am E-Book-Reader lesen?

    Ich besitze keinen E-Book-Reader. Lesen ist für mich auch etwas Intimes. Beim Lesen taucht man in eine andere Welt ein. Verlässt die gewohnten Pfade der eigenen Gedanken. Lässt sich ein auf Neues, Ungewohntes. Und ja, dabei halte ich gerne ein Buch in den Händen und ziehe das gewohnte Umblättern der Seiten vor.

    Welches Buch zu Südtirol oder eines/einer Autors/Autorin aus Südtirol würden Sie unbedingt weiterempfehlen?

    Hier findet meine Antwort oben zu den Buch-Tipps gleichfalls Anwendung. Am besten ist es immer, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dafür muss man (wohl oder übel) selbst lesen. Und was die Bücher der Südtiroler Autorinnen und Autoren betrifft: am besten jedes Buch!