Wenn das Blatt nicht mehr reicht
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SALTO Artstore: Herr Schwarzwald, im Zentrum Ihrer Arbeit steht die Zeichnung. Kannst du mir erzählen, wie deine Zeichnungen entstehen?
Christian Schwarzwald: Ich beginne sehr oft einfach mit Notizen und kleinen Skizzen, meistens im Skizzenbuch, das ich immer bei mir habe. Und wenn mich etwas eindringlicher beschäftigt, dann beginne ich damit zu arbeiten und umkreise meist die Formen und Darstellungen, um zu einer klareren Idee zu gelangen. Es gibt kein Rezept beim Zeichnen und das Schöne an der Zeichnung ist, dass es so einfach ist und deswegen auch beim Beginnen alles immer offen ist. Manchmal sind das dann sehr präzise Formen und Vorstellungen, denen ich nachgehe, und manchmal bleibt das offen und eher ein konstantes Suchen.
In Ihren Installationen treffen oft sehr unterschiedliche Arten von Zeichnung aufeinander: sehr schnelle, wilde Skizzen und fast gebaute, grafische Linien. Was interessiert Sie an diesem Aufeinandertreffen?Ich mag die Reibung, die bei diesen Zusammentreffen entsteht. Für mich ist das wie das Leben oder die Wirklichkeit selbst – da treffen auch dauernd Dinge zusammen, die gar nicht zusammenpassen. Dann versuche ich das Besondere dieser Reibungen zu finden. Ich verstehe die Zeichnung als Koordinatensystem von Abbildungen. Das heisst, dass sich auf dieser Ebene ganz verschiedene Bildformen treffen können. Das kann eben von schnell, spontan, abstrakt und zeichenhaft bis zu fein, präzise und ganz figurativ gehen. In der Zeichnunng ist schon Zeichenhaftigkeit und Abstraktion angelegt und so können hier ganz verschieden Bildwelten zusammenfinden und die Reibung entstehen lassen.
Über den KünstlerChristian Schwarzwald arbeitet als Künstler mit einem erweiterten Begriff von Zeichnung und Grafik. Seine Praxis reicht von schnellen, abstrakten bis zu figurativen Skizzen, von dichten Schraffuren und feinsten Schattierungen, von klein bis groß, von dünn bis dick, von beiläufig hingeworfen bis leidenschaftlich ausgearbeitet. In alle Richtungen und oft gleichzeitig befragt Schwarzwald seit über einem Vierteljahrhundert die Zeichnung nach ihren grundlegenden Eigenschaften und erschafft Bilder von großer visuellen Präsenz.
Seine Arbeiten erscheinen als Editionen ebenso wie als raumgreifende Installationen. Einzelne Blätter werden dabei zu Bestandteilen komplexer Ensembles, in denen sich expressive Gesten und grafische, konstruktive Strukturen begegnen. Christian Schwarzwald ist Professor an der Akademie der bildenden Künste Wien und lebt in Wien und Berlin.
Manchmal wirkt Ihre Arbeitsweise fast wie ein unermüdlicher Drucker: Blatt rein, raus, weiter. Fühlen Sie sich beim Arbeiten eher wie jemand, der produziert, oder wie jemand, der ständig sortiert?
Ich habe in früheren Zeichnungen öfter mal die Position eines schlechten Druckers eingenommen, und bewusst fehlerhaft gezeichnet. Diese Maschinenposition hat es mir erleichtert, auf Bilder und auch Fotos zuzugreifen, die ich sonst nicht so leicht zugelassen hätte. Fotografie war für mich lange tabu als Hilfsmittel und mit dem maschinellen zeichnen wurde auch das einfach eine Quelle und Vorlage. Die Abbildungsmöglichkeiten haben sich dadurch für mich wesentlich erhöht. Und es war auch einfach eine Art von absurdem Spiel diese Maschinen zu imitieren. Ein Spiel bei dem ich viel gelernt habe. Spielen und Zeichnen ist ja eigentlich fast das gleiche. Und was ich immer noch mag, ist, einfach draufloszuzeichnen und voll in die Welt von Produktion, Erfindung und Übung einzutauchen. Wenn man zeichnet ist man ganz in dieser Praxis und dabei suche ich immer nach Möglichkeiten das ganz konzentriert und gelassen machen zu können.
Sie arbeiten mit Wiederholungen, Serien und ähnlichen Formaten. Wann wird Wiederholung produktiv und wann wird sie gefährlich?Ich glaube, wenn Wiederholung etwas im Sinne von Üben und Ausprobieren hat, entstehen erst durch die Wiederholung gültige, präzise und schöne Beobachtungen. Wir kennen das doch alle – etwas zu wiederholen um es sich anzueignen. Bei Gedichten und Liedern spricht man vom Auswendiglernen. Also so oft wiederholen bis die Melodien und Wörter einen durchdringen und ein Teil von einem werden. Das versuche ich auch in der Zeichnung zu machen. Zu wiederholen und zu üben, bis die Bilder ein Teil von mir werden und durch mich durchgehen können. Wenn die Wiederholung aber dumpf und räuberisch wird – dann ist sie auch schnell gefährlich.
WerkangabenKünstler: Christian Schwarzwald
Titel: AIDIOTS in C
Material: Acryl auf Papier, beidseitig bearbeitet
Maße: 32x24 cm
Jahr: 2025
Edition: Unikat
Preis: 1 Stück 1000€ / 5 Stück 3500€ + Tax und VersandskostenWeitere Artikel zum Thema
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SALTO hat mit dieser digitalen Galerie einen speziellen Raum für Künstler aus dem Euregio-Tirolo-Gebiet geschaffen.
Die Kunstwerke werden exklusiv im Artstore von SALTO präsentiert.Artstore ist ein Projekt, das von der Kulturvereinigung BAU entwickelt wurde. Heuer liegt die Kuratorenschaft in den Händen von Eau&Gaz, ein Residenzprogramm für KünstlerInnen, KuratorInnenund andere im Kulturbereich tätige Personen. Seit 2022 organisiert es auch das Kultur- und Bildungsprogramm auf Schloss Gandegg in Eppan. Für den Artstore hat sich das Team von Eau&Gaz entschieden, künstlerische Positionen vorzustellen, die sie dieses Jahr in Südtiroler Ausstellungen anzutreffen sind. Eau&Gaz wird von Kathrin und Sarah Oberrauch sowie Johannes Nowak kuratiert.
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